_new forms of distinction_from bourgeoisie to subculture_

_english text below_

Beim Durchblättern diverser Modeinformationskanäle sehe ich nach wie vor Sportswear- und Streetweareinflüsse.  Daneben stehen Referenzen an die siebziger, achtziger und neunziger Jahre. Mit der Dior Men`s Wear Kollektion von Kim Jones, die uns in Richtung Zukunft beamt, zeichnen sich weitere starke Trends ab.

GUCCI_Pre_Fall_2018_3PNG
Gucci_2018

Doch woher kommt der starke Einfluss von Streetwear und Sportswear?

Mode und die daraus resultierenden Kleiderstile entwickeln sich meist evolutionär und weniger, wie es uns die Modemagazine und die zahllosen Modeblogger aus marketingtaktischen Gründen glauben machen wollen, revolutionär. Unser heutiges Kleiderverständnis ist geprägt von dem historischen Prozess der Entwicklung soziologischer Vorbildfunktionen und Machtpositionen und der Akzeptanz oder der Ablehnung eben dieser.

Seit der industriellen Revolution um 1870 prägt das Industriebürgertum im Sinne des Bewahrens der Machtpositionen des Ancien Regimes die stilistische Akzeptanz von Kleiderbasistypen und vor allem das bürgerliche Kleider- und Rollenverständnis. Das ist für die Frau das „Kleid“ und den Mann der „Anzug“. Mode im konservativen Sinne bedeutet seither, dass der Mann seinen Reichtum modisch über die Kleider und Accessoires seiner Frau ausdrückt. Besonders die Kleiderform des Anzugs ändert sich stilistisch nur noch in Details. Es entstand eine angepasste Männermode, deren Ausdruck von Fleiß, Disziplin und puritanischem Verzicht geprägt war.

Mit dem Einfluss der Jugendkulturen, die als eigenständiges Genre seit den 1950- iger Jahren in der Mode wahrgenommen wird, fängt die zuvor stillschweigend akzeptierte Machtposition zwischen dem Großbürgertum und der Arbeiterschicht zu bröckeln. Das findet auch seinen Ausdruck in der Mode. Vereinfacht sahen vor dem Beginn der Jugendkulturen die Teenager aus wie Eltern, nur eben jünger mit weniger faltiger Haut. Jugend bekommt in dieser Zeit seine eigene stilistische Kodierung. Mit ihr begann der Stolz ihre Andersartigkeit möglichst offensiv zur Schau zu tragen.

Die Geschichte der klassischen Subkulturen kennen wir alle. Seit 1982 gilt Jugendkultur als Ideenreservoir der Modeindustrie, die in dieser Zeit an einer Phase der Ideenlosigkeit litt. Damit begann auch die kommerzielle Ausbeutung verschiedenster Subkulturen. Gleichzeitig brannten sich neue Archetypen von Kleidung in die kollektive Imagination.

_english text_

As I browse through various fashion information channels, I see lots of sportswear and streetwear influences. There are also references to the seventies, eighties and nineties. With the Dior Men`s Wear Collection by Kim Jones, which is beaming us towards the future, there are further strong trends.

But where does the strong influence of streetwear and sportswear come from?

Fashion and the resulting styles of garments are developing evolutionarily and less, as the fashion magazines and the countless fashion bloggers want to make us believe for marketing reasons, revolutionary. Our understanding of clothing today is shaped by the historical process of the development of sociological role models and positions of power and their acceptance or rejection.

Since the industrial revolution of 1870, industrial bourgeoisie has shaped the stylistic acceptance of types of clothing base and, above all, the bourgeois understanding of garments and  gender roles in the sense of preserving the positions of power of the ancien regime. This is the „dress“ for the woman and the „suit“ for the man. Fashion in the conservative way of thinking means since then that the man expresses his wealth with the fashionably clothes and accessories of his wife. Especially the dmen`s suit changes stylistically only in details. The result was an adapted menswear whose expression was characterized by diligence, discipline and Puritan renunciation.

With the influence of youth cultures, which has been perceived as an independent genre since the 1950s in fashion, the previously tacitly accepted power position between the upper bourgeoisie and the working class begins to crumble. This also finds its expression in fashion. Simply spoken, before the onset of youth culture, teens looked like parents, just younger with less wrinkled skin. Youth gets his own stylistic coding during this time. With this, the pride began to show off the otherness as aggressively as possible.

We all know the history of classical subcultures. Since 1982, youth culture has been regarded as a reservoir of ideas for the fashion industry, which at this time was suffering from a period of lack of ideas. This also began the commercial exploitation of various subcultures. At the same time, new archetypes of clothing burned into the collective imagination.

 

 

 

 

 

 

 

_new forms of distinction_traditions of rebellion_

_english text below_

Punk war wohl der rebellischte und gleichzeitig plakativste aller Jugenduntergrundkulturen bis 1982, also der subkulturellen Klassik. Das stereotype Punk- Image, das in unserem kollektiven Imaginären verblieben ist, ist mittlerweile auf mit Nieten, Kritzeleien und „Buttons“ übersäte Perfecto- Motorradlederjacken und den nicht zu übersehenden Irokesenschnitt reduziert.

Besonders der frühe Punk spielte sehr subtil und gleichzeitig äußerst eindeutig mit stilistischen Kodierungen und Dekontextualisierungen.

Was ist Dekontextualisierung? In unserem Verständnis der Kleiderkommunikation im Sinne des kollektiven Imaginären sind visuelle, olfaktorische und auditive Zeichen wahrnehmbar, dechiffrierbar und individuell deutbar.

img353
Johnny Rotten 1979

Auf dieser Basis beginnt auf dem T- Shirt von Johnny Rotten ein sehr kreatives Spiel mit den Zeichen der Druckmotive. Als Überschrift lesen wir „Destroy“, ob als Handlung, Aufforderung oder das Individuum selbst betreffend, bleibt unklar. Die Briefmarke mit der englischen Königin Elizabeth II ist ein Symbol für die Macht des Staates. Das Drucken von Briefmarken ist der Staatsgewalt vorbehalten und ein Missbrauch streng verboten. Das Kreuz als Zeichen der Kirche ist auf dem Kopf und kann in dieser Form der Darstellung als satanisch verstanden werden. Das Hakenkreuz im Hintergrund ist ein Zeichen der Provokation. Ich möchte erwähnen, dass Hakenkreuzsymbole im frühen Punk, aber genauso im Hardrock und Heavy Metal in den End 1970- iger Jahren häufige Verwendung fanden.

All diese Zeichen sind aus ihrem Kontext genommen dennoch ist ihre eigentliche Bedeutung wahrnehmbar. Durch die Kollage entsteht ein neuer Zusammenhang und eine anarchistische Form des „Storytelling“. Der Betrachter kann diesen neu geschaffenen Zusammenhang  empfinden und deuten und so seine eigene Geschichte aus der individuellen Wahrnehmung heraus für sich selbst erzählen.

Das Modelabel Vetements folgt dieser anarchistischen Tradition. Das Stilmerkmal der Dekontextualisierung wird hier in Form von Umschlägen von Reisepässen als Schuhleder verwendet. Der Reisepass ist ein Zeichen der Autorität eines Staates, er ordnet Menschen Nationalitäten zu und bestimmt gleichzeitig die individuelle Freizügigkeit. Der Pass ist Zeichen der staatlich lesbaren Identität einer Person. Den Schuh kann man als einfachstes Mittel des physischen Vorwärtsschreitens sehen. Ohne die Erfindung von Schuhen wäre die globale Besiedlung unseres Planeten durch die Menschheit nicht möglich gewesen. Bringt man diese Handlungsstränge zusammen, so entsteht eine sehr subtile Geschichte mit anarchistischem Potenzial. Die Stränge der Handlung entstehen spielerisch aus der Kommunikation von Kleidung und ihrer Zeichen.

Vetements_passport_1

Vetements_passport_3
Vetements_AW-2018

Punk was probably the most rebellious and at the same time most striking of all youth underground cultures until 1982, ie the subcultural classic. The stereotypical punk image that has remained in our collective imaginary, with rivets, scribbles and „buttons“ laced with Perfecto motorcycle leather jackets and the not to be overlooked mohawk.

Especially the early punk played very subtly and at the same time very clearly with stylistic codes and decontextualizations.

What is decontextualization? In our understanding of dress communication in the sense of the collective imaginary, visual, olfactory and auditory signs are perceptible, decipherable and individually interpretable.

On this basis, the Johnny Rotten T-shirt starts a very creative game with the characters of the print motifs. As headline, we read „Destroy“, whether as an action, solicitation or the individual himself, remains unclear. The stamp with the English Queen Elizabeth II is a symbol of the power of the state. The printing of stamps is reserved for the state and abuse is strictly forbidden. The cross as a sign of the church is upside down and can be understood in this form of representation as satanic. The swastika in the background is a sign of provocation. I would like to mention that swastika symbols were often used in early punk, but also in hard rock and heavy metal in the late 1970s.

All these signs are taken out of context, yet their true meaning is perceptible. Collage creates a new context and an anarchic form of „storytelling“. The viewer can feel and interpret this newly created context and thus tell his own story for himself from the individual’s perception.

Fashion label Vetements follows this anarchist tradition. The stylistic feature of decontextualization is used here in the form of envelopes of passports as shoe leather. The passport is a sign of the authority of a state, it assigns people to nationalities and at the same time determines the individual freedom of movement. The passport is a sign of the state-readable identity of a person. The shoe can be seen as the simplest means of physically advancing. Without the invention of shoes, humanity’s global occupation of our planet would not have been possible. Bringing these storylines together creates a very subtle story with anarchistic potential. The strands of action playfully emerge from the communication of clothing and its signs.

Vetements_passport_4
Vetements_AW_2018

_“and“ is the new conjunctional word of inspiration in fashion_

_english text below_

_ it`s all about sharing_ Die Sharing- Kultur der Generation Z und der Millennials liebt es sich zu verbinden und erlebte Eindrücke mit Hilfe sozialer Medien zu teilen. Einblicke in den Genuss von Netflixserien und diverser Speisen, Befindlichkeiten beim urbanen unterwegs sein, oder Emotionen beim sich einfach „schön“ und manchmal auch „hässlich schräg drauf sein“ finden. Das Gefühl verbunden zu sein scheint zentral. Weniger die Abgrenzung als vielmehr die Gemeinschaft zählt.

In diesem Kontext der Verbundenheit in einer digitalen Gemeinschaft erklären sich neue modische Strömungen. Das Verständnis im Umgang von modischer Inspiration ist immer weniger von stilistischen Kontrasten geprägt.

IMG_1197 (Bearbeitet)
VETEMENTS

Das Wort „UND“ im Sinne einer Verbindung und der Gleichzeitigkeit der Stilelemente wird zunehmend für den kreativen Umgang mit Mode wichtig. Auf der Premiere Vision in Paris im September 2018 stolperte ich beim Lesen der Texttafeln, die modische Stimmungen beschreiben sollen, vermehrt auf das Wort „UND“. Die Wortpaare lauteten zum Beispiel „serious and passionate“, „industrial and poetic“, nourishing and sturdy“, „toxic and troubling“, oder massive and instinctive“. Das verbindende Wort „UND“ macht die Wortkombinationen, die uns als Designer inspirierenden Umgang mit Farbe, Texturen und Style nahe bringen wollen, neu. In den vergangenen Jahren hätte man die Worte im Sinne eines stilistischen „Versus“, also einem Gegeneinander, einem direkten stilistischen Kontrast aufbauend,  gebraucht.

Was bedeutet dieses Wort „UND“ für kreative Prozesse in der Mode?

024
GUCCI_SS_2019

Roland Barthes zerlegt in seinem Buch „Die Sprache der Mode“ die Wahrnehmung von Kleidung in einzelne sehr feine Handlungsstränge. Aus dieser kommunikativen Wahrnehmung entsteht unser „kollektives Imaginäres“. Handlungsstränge können die Deutung von Farben, von stofflichen Texturen, aber auch Formen der Verarbeitung und der Schnitte sein, bis hin zu Silhouette und Proportionen sein. Dazu kommt noch das Styling, also Haare, Make- up und Accessoires, wie Schuhe, Handtaschen und zum Beispiel Schals und auch das Model, oder die Träger*in des Looks. Die soziale Komponente von Mode befeuert diesen Prozess der imaginativen Wahrnehmung.

IMG_1143
STELLA MC CARTNEY

_bring it together_ Das Wort „UND“ wird zum Bindeglied der Gleichzeitigkeit der Stilelemente. Kann eine modische Aussage gleichzeitig traditionell, technisch, industriell und voll von exzentrischer Nonchalance sein? Bei der Imagination der Begrifflichkeiten entstehen sofort Bilder, wie Tradition, Technik…. aussehen könnten. Es entstehen imaginative Bilder, die zum Beispiel Tradition mit Materialitäten, Farbigkeiten, Modellen, Verarbeitungen und so weiter beschreiben können. Das können wir für jedes der inspirierenden Worte tun und es entsteht ein sehr komplexes Bild, wie ein Look in diesem Kontext aussehen kann. Imagination und Fantasie sind von Mensch zu Mensch nicht uniform. Die dadurch auftretende Unschärfe ist ein Gradmesser für die Vitalität in der Mode. Alle stilistischen Kodierungen werden geteilt und spielerisch sich einander respektierend neu zusammengefügt, um neue kreative Konstellationen auszuloten.

IMG_1020 (Bearbeitet)
BALENCIAGAAW 2018
IMG_0661 (Bearbeitet)
PREMIERE VISION
IMG_1021 (Bearbeitet)
VETEMENTS AW 2018
IMG_1169 (Bearbeitet)
BALENCIAGA AW 2018

_ it`s all about sharing_ The sharing culture of Generation Z and the Millennials loves to connect and share their experiences with the help of social media. The enjoyment of streaming entertainment, or having a good meal, or being around in an spectacular cool  way, or sharing emotions, like feeling simply „beautiful“ and sometimes „ugly oblique“ to be documented by film or photo and then to be shared. The feeling of being connected seems central. Less the demarcation than the community counts.

In this context of connectedness in a digital community, new fashion trends are emerging. The understanding in dealing with fashion inspiration is less and less influenced by stylistic contrasts.

The word „AND“ in the sense of a connection and the simultaneity of style elements is increasingly important for the creative handling of fashion. At the Premiere Vision in Paris in September 2018, I stumbled while reading the text panels, which are to describe fashionable moods, increasingly on the word „AND“. The word pairs were for example „serious and passionate“, „industrial and poetic“, „nourishing and sturdy“, „toxic and troubling“, or massive and instinctive „. The connective word „AND“ re-creates the word combinations that seek to bring us closer to being designers, inspiring color, textures and style. In recent years, the words would have been used in the sense of a stylistic „Versus“, that is, a contrast to each other, building up a direct stylistic contrast.

What does this word „AND“ mean for creative processes in fashion?

Roland Barthes dissects the perception of clothing into very fine storylines in his book „The Language of Fashion“. Out of this communicative perception arises our „collective imaginary“. Plots of action can be the interpretation of colors, of material textures, but also forms of processing and cuts, up to silhouette and proportions. Add to that the styling, ie hair, make-up and accessories, such as shoes, handbags and, for example, scarves and also the model, or the wearer of the look. The social component of fashion fuels this process of imaginative perception.

_bring it together_ The word „AND“ becomes the link of the simultaneity of the style elements. Can a fashion statement be traditional, technical, industrial, and eccentric nonchalance at the same time? Imagination of concepts immediately creates images of how tradition, technology, etc. could look. Imaginative images emerge that can, for example, describe tradition with materials, colors, models, processes and so on. We can do that for any of the inspirational words, and it creates a very complex picture of what a look can look like in this context. Imagination and fantasy are not uniform from person to person. The resulting blurs, but it is a measure of vitality in fashion. All stylistic codifications are shared and playfully re-assembled in order to explore new creative constellations.

IMG_0662 (Bearbeitet)
PREMIERE VISION 2018
IMG_1239 (Bearbeitet)
VETEMENTS AW 2018
IMG_0989
PREMIERE VISION 2018

 

 

_new forms of distinction_three_enjoy digital worlds_

_english text below_

_„enjoy digital worlds“. Es sind wieder einmal digitale Medien, die Bedürfnisse nach Distinktion der Millennials und der Generation Z verschärft auf den Punkt bringen. Soziale Medien, Instagram steht hier an erster Stelle, versorgt die digitale Gemeinde in einem 24/7 Rhythmus mit neuen und frischen Ideen, die sich zwingend aus der Endlosigkeit des Bilderflusses abheben müssen. Dieser Fakt hat einen direkten Einfluss auf die Auswahl von Kleidung und das Design. Wahrnehmbarkeit in einer unendlichen Bilderwelt steht an erster Stelle. Styling wird essentiell. Individuell schräg wird zum Mantra.

In den digitalen Welten definieren sich die Begriffe von Inklusivität und Exklusivität als Einzigartigkeit und personalisierter Selbstinszenierung. Die Elterngeneration dachte noch in Termini von Gruppenzugehörigkeit, elitärer Exklusivität, Abgrenzung von  gesellschaftlichen Schichten und Status.

Der Einfluss von Street- Wear und Hip Hop- Kultur auf die Mode zeigt uns die enorme Diversität der heutigen Generation und deren modischen, kulturellen, ökonomischen, finanziellen und sozialen Ausdrucksformen. Oversized Silhouetten, der Turnschuh dient gleichzeitig als Standard und als Objekt der Begehrlichkeit, sowie ambi- und multikulturelles Design in allen modischen Genres von der Welt des Luxus bis in die Street- Styles sind Anzeichen für ein demokratisches und offenes Modeverständnis.

Das deutlichste Zeichen dafür ist der Turnschuh. Alle Luxuslabels von Balenciaga bis Louis Vuitton  verwenden ihre Sneaker als Brücke zu dieser neuen Generation von Konsumenten. Sneaker sind die perfekte Bühne für die Demokratisierung von Mode.

Immer mehr Menschen kleiden sich 24/7 „casual“. Dies ist ein Zeichen für das Verschwimmen von Grenzen zwischen der Kultur der Straße mit all ihrer gestalterischen Freiheit und der Welt des Luxus. Demna Gvasalia hat diesen Umstand wohl als einer der ersten mit seinem DHL Sweatshirt für Vetements erkannt. Die Botschaft von Mode muss nicht mehr länger auf Exklusivität und dem damit verbundenen Kleidervokabular, das die bürgerliche Vormachtstellung in der Gesellschaft ausdrückt, basieren. Millennials lieben vielmehr Ironie, Schrägheit im Style, Rebellion gegen die Mechanismen der Mode- Industrie, ironische Bezüge zu Mainstream- Marken und ein Zusammenspiel von POP- Kultur und Mode.

IMG_0996
Maison Margiela AW 2018
IMG_1013 (Bearbeitet)
Prada AW 2018
IMG_0988 (Bearbeitet)
Vetements AW 2018
IMG_0944 (Bearbeitet)
Vetements AW 2018
IMG_0940 (Bearbeitet)
Givenchy AW 2018
IMG_0942 (Bearbeitet)
Balenciaga AW 2018
IMG_0838 (Bearbeitet)
Maison Valentino AW 2018
IMG_0695 (Bearbeitet)
Vetements AW 2018
IMG_0672 (Bearbeitet)
Vetements AW 2018
IMG_0679 (Bearbeitet)
Gucci SS 2019

_ „enjoy digital worlds“. Once again, it’s digital media that brings the need for distinction of the Millennials and Generation Z to the point. Social media, Instagram is the number one priority, providing the digital community with new and fresh ideas in a 24/7 rhythm, which must necessarily stand out from the endless flow of images. This fact has a direct influence on the choice of clothing and the design. Perceptibility in an infinite world of images comes first. Styling becomes essential. Individual oblique becomes a mantra.

In the digital worlds, the concepts of inclusiveness and exclusivity are defined as uniqueness and personalized self-presentation. The parent generation still thought in terms of group affiliation, elitist exclusivity, demarcation of social layers and status.

The influence of street wear and hip hop culture on fashion shows us the enormous diversity of today’s generation and its fashionable, cultural, economic, financial and social expressions. Oversized silhouettes, the sneaker serves as a standard and an object of desire, as well as ambi- and multicultural design in all fashionable genres from the world of luxury to the street styles are signs of a democratic and open fashion understanding.

All above the sneaker. All luxury labels from Balenciaga to Louis Vuitton use their sneakers as a bridge to this new generation of consumers. Sneakers are the perfect stage for the democratization of fashion.

More and more people dress 24/7 „casual“. This is a sign of the blurring of boundaries between the culture of the street with all its creative freedom and the world of luxury. Demna Gvasalia has probably recognized this as one of the first with his DHL sweatshirt for vetements. The message of fashion no longer has to be based on exclusivity and the associated clothing vocabulary that expresses bourgeois supremacy in society. Rather, Millennials love irony, bias in style, rebellion against the mechanisms of the fashion industry, ironic references to mainstream brands, and an interplay of POP culture and fashion.

_new forms of distinction_two_sharing is caring_

_english text below_

_„sharing is caring“, teile deine Gedanken, teile deine Looks, definiere Besitz neu. Das Streben nach Besitz verbunden mit dem Gefühl von Leistung und des Erfolgs handeln Großteile der Generation Z und der Millennials, also die jetzt um die 20- Jährigen neu aus.

Viele von ihnen glaubt an die „sharing economy„. Warum sollte man CDs und DVDs kaufen, wenn es Streamingdienste wie Spotify oder Netflix  gibt? Warum ein Auto in Zeiten des Carsharing besitzen? Warum Kleidung besitzen, wenn ich diese für einen kleinen Beitrag mieten kann? Und wenn ich sie Besitz habe, so kann ich sie auf dem boomenden Luxus-Secondhand- Markt verkaufen.

Diese Generation liebt es leicht zu leben und entzieht sich lieber den Belastungen und der Verantwortung des Eigentums. Dieser Protest ist ein Merkmal von Distinktion, zumal die Elterngeneration der Millennials sich sehr stark über die Verknüpfung von Besitz und Leistung definiert hat.

IMG_0999
Vetements AW 2018
IMG_0986 (Bearbeitet)
VetementsnAW 2018

_“sharing is caring“_, share your thoughts, share your looks, redefine possessions. The pursuit of ownership coupled with the sense of achievement and success is being negotiated by large parts of Generation Z and the Millennials, ie the 20-year-olds now.

Many of them believe in the sharing economy. Why buy CDs and DVDs when there are streaming services like Spotify or Netflix? Why own a car in times of car sharing? Why own clothes if I can rent them for a small contribution? And if I own them, I can sell them on the booming luxury second-hand market.

This generation loves to live easily and prefers to avoid the pressures and responsibilities of property. This protest is a feature of distinction, especially as the Millennials‘ parent generation has been very much defined by the link between ownership and achievement.

IMG_0970 (Bearbeitet)
Vetements AW 2018
IMG_0945 (Bearbeitet)
Vetements AW 2018
IMG_0826 (Bearbeitet)
Balenciaga AW 2018
IMG_0684 (Bearbeitet)
Gucci SS 2019
IMG_0683 (Bearbeitet)
Gucci SS 2019
00036-gucci-details-spring-2019-ready-to-wear
Gucci SS 2019

_brainstorm_

_is Streetwear taking over Luxury Brands?_

After the engagement of Virgil Abloh at Louis Vuitton and before that a never ending craze of collaborations of „streetwearbrand“ X „luxurybrand“ was overflowing the spectators attention. At the same time streetwearstyles and streetart are getting an enormous inspirational influence on fashion design.

Is this a sign of democratization of the fashion business? Or is it all about marketing trying to gain new costumer groups?

Let`s discuss….

IMG_0847 (Bearbeitet)
Basquiat
IMG_1122 (Bearbeitet)
Fendi AW 2018
IMG_1120 (Bearbeitet)
Fendi AW 2018
IMG_0849 (Bearbeitet)
Basquiat
IMG_1118 (Bearbeitet)
Fendi AW 2018
IMG_0853 (Bearbeitet)
Basquiat
IMG_1123 (Bearbeitet)
032C
IMG_0852 (Bearbeitet)
Baquiat
IMG_0969
Off White AW 2018
IMG_0851 (Bearbeitet)
Basquiat
IMG_0826 (Bearbeitet)
Balenciaga AW 2018

 

_new forms of distinction_one_be connected_

_english text below_

_„be connected“, sei verbunden mit der Welt, ob digital oder physisch, teile Deine Geschichten, lass andere an Deinem Leben, an Deinen Gedanken teilhaben. Wir sind „Community Driven“, anders gesagt die weltweite Gemeinschaft nimmt großen Einfluss auf unser Leben und wir legen großen Wert darauf, dass eben dies geschieht. Die digitale  „Community“ hilft einander, gibt Tipps und hat Spaß. Gleichzeitig haben wir soziale Bindungen, sei es privat, familiär oder beruflich, über den ganzen Globus. Wir verbinden uns mit der ganzen Welt und können Kommunikation betreiben. Es entsteht ein flexibles Netzwerk abseits der etablierten Pfade, von denen viele sehr enttäuscht sind. Der digitalen „Community“ wird oft mehr Glauben geschenkt, als den offiziellen Organen, deren berufliche und gesellschaftliche Versprechen viele als eigennützige Lügen erfahren mussten.

_“be connected with your people“_“have fun with your people“_“make money with your people“_

IMG_1015 (Bearbeitet)
Vetements AW 2018
IMG_1020 (Bearbeitet)
Balenciaga AW 2018
IMG_0968 (Bearbeitet)
Gucci AW 2018
IMG_0840
Vetements AW 2018
IMG_0743
Vetements AW 2018
_OFF0069
Off White SS 2019
_OFF0281
Off White SS 2019

_“be connected“, be connected to the world, digital or physical, share your stories, let others share in your life, share your thoughts. We are „community driven“, in other words the global community has a big impact on our lives and we attach great importance to that. The digital „community“ helps each other, gives tips and is fun. At the same time, we have social commitments, be it private, family or professional, across the globe. We connect with the whole world and we communicate. This creates a flexible network away from established paths, many of which are very disappointed. The digital „community“ is often given more credence than the official bodies whose professional and social promises many have experienced as self-serving lies.

_ „be connected with your people“ _ „have fun with your people“ _ „make money with your people“ _

_new forms of distinction__

_english text below_

_Jede Generation muss sich von der Elterngeneration und den Generationen davor abheben. Sie muss „Schön“ und „Hässlich“ neu denken, Sprache neu definieren, Emotionen in ihr Lebensgefühl einordnen, ein eigenes ästhetisches System entwickeln.

_Es geht um Distinktion, um Unterscheidung in einer Welt der Omnipräsenz digitaler Medien und der Hyperindividualisierung.

_Die folgende Reihe von Blog- Beiträgen hat zum Ziel diese Wahrnehmungen und Beobachtungen aus meiner Sicht zu beschreiben.

Die kommenden Blogs dazu umkreisen Themen, „be connected“, „sharing is caring“ und „enjoy digital worlds“.

ENJOY 😉

IMG_0686 (Bearbeitet)
Gucci SS 2019
IMG_0737 (Bearbeitet)
Vetements AW 2018
00042-gucci-details-spring-2019-ready-to-wear
Gucci SS 2019

_Every generation has to differentiate itself from the parent generation and the generations before it. They have to rethink „beautiful“ and „ugly“, redefine language, integrate emotions into her attitude to life, and develop her own aesthetic system.

It’s about distinction, about distinction in a world of the omnipresence of digital media and hyperindividualisation.

_The following series of blog posts aims to describe these perceptions and observations from my point of view.

The upcoming blogs revolve around topics like „be connected“, „sharing is caring“ and „enjoy digital worlds“.

ENJOY;)

_ less is bore_

_more is more_ following postmodern art we enjoy playfulness as a opposite direction to seriousness_

 

_ deconstruction_ sneaker

_english text below_

_Jedes Design hat eine Geschichte. Beim Betrachten dieser für jeden Street- Style so essentiell wichtigen Balenciaga Triple S Sneaker rannten sofort Bilder und Assoziationen durch meinen Kopf. Das ergab eine Geschichte, die einerseits Prinzipien der Gestaltung erscheinen ließ, auf der anderen Seite Verwandtschaften in der Evolution von Design. Diese Gedanken muss ich mitteilen.

_ deconstruction_ bedient sich eines der wichtigsten Gestaltungsprinzips der Moderne. „Deconstruct to Reconstruct“ bedeutet auf Turnschuhe angewandt diese in ihre Bestandteile zu zerlegen und nach gestalterischen Gesichtspunkten künstlerisch neu zusammenzufügen, also zu rekonstruieren.

_Die Einheit des Schuhs wird aufgelöst, um neue Zusammenhänge zu finden. Dabei geht es nicht um die Logik eines Baukastens, oder um das Zusammenfügen von Bausteinen.

_ Entscheidend ist, dass die Form des Schuhs nicht mehr als unveränderbare Einheit wahrgenommen wird, sondern wie sie, oder ihr stilistischer Zusammenhang im Rahmen eines gestalterischen Konzeptes funktioniert.

_ In Prinzip behandelt der Dekonstruktivismus das Schema des Grundlegenden, das ist hier der Schuh und das Gegenüberstellen von Störungen und Oppositionen. Dabei können Gegenüberstellungen behandelt werden, wie Eleganz und Funktionalität.

IMG_0971 (Bearbeitet)

Bei BALLY steht der Halbschuh für Tradition und Eleganz, die Galosche für Funktionalität und Protektion. Das gleiche Prinzip lässt sich auf den „Chuck“ anwenden.

IMG_0982 (Bearbeitet)

RAF SIMONS greift für ADIDAS mit seinem OZWEEGO ein ähnliches Prinzip auf. Zwei Schuhe werden ineinander gefügt.

IMG_0972 (Bearbeitet)IMG_0973 (Bearbeitet)

BALENCIAGA geht noch einen Schritt weiter. Demna Gvasalia löst die Einheit von Sneakern komplett auf und dekonstruiert für seinen TRIPLE S die Sohlen und stapelt diese fünffach übereinander. Aus den Turnschuh entsteht eine Skulptur.

IMG_0975 (Bearbeitet)

Mit seinem neuesten Modell, dem BALENCIAGA TRACK geht Gvasalia noch einen Schritt weiter. Gleich mehrere Formen von Störungen und Dekonstruktionen wendet er hier meisterhaft an. Innen und Außen, Symmetrie und Asymmetrie, Tiefe und Außenseite.

IMG_0976 (Bearbeitet)IMG_0977 (Bearbeitet)

Mit dieser, sehr künstlerischen und wahrscheinlich auch intellektuellen Herangehensweise an das Entwerfen von Turnschuhen erschafft Demna Gvasalia Sneaker_ Ikonen, die das Design von Street- Wear erneuert haben und gleichzeitig die einflussreichsten Sneaker mit dem höchsten Begehrlichkeitsfaktor geworden sind. CHAPEAU

_ Every design has it’s story. Looking at this Balenciaga Triple S sneaker, so essential to any street style, images and associations immediately ran through my head. This resulted in a story that, on the one hand, made principles of design appear, on the other, affinities in the evolution of design. I have to share these thoughts.

_ deconstruction_ makes use of one of the most important design principles of the modern age. „Deconstruct to Reconstruct“ applied on sneakers means to disassemble them into their components and artistically rearranged according to artistic aspects, so to reconstruct.

_The unity of the shoe is dissolved to find new connections. It is not about the logic of a kit, or about the assembly of building blocks.

The decisive factor is that the shape of the shoe is no longer perceived as a unit that can not be changed, but how it or its stylistic connection functions within the framework of a design concept.

In principle, deconstructivism treats the schema of the fundamental, this is the shoe and the confrontation of disturbances and oppositions. In doing so, juxtapositions can be treated, such as elegance and functionality.

At the Swiss brand BALLY the shoe stands for tradition and elegance, the galoshes for functionality and protection. The same principle applies to the „chuck“ sneakers by Converse.

RAF SIMONS uses a similar principle for ADIDAS with its OZWEEGO. Two shoes are put together.

BALENCIAGA goes one step further. Demna Gvasalia completely breaks up the unity of sneakers and deconstructs the soles for his TRIPLE S and stacks them five times on top of each other. The sneaker creates a sculpture.

With the latest model, the BALENCIAGA TRACK, Gvasalia goes one step further. He applies masterfully several forms of disturbances and deconstructions here. Inside and outside, symmetry and asymmetry, depth and outside.

With this very artistic and probably intellectual approach to designing sneakers, Demna Gvasalia creates icons that have renewed the design of street wear and at the same time become the most influential sneakers with the highest  factor of desirability.

CHAPEAU